05.02.2009

Ohne Planungssicherheit läuft nichts

Ein Beitrag von Dr. Götz Kröner, Geschäftsführer des mittelständischen Familienunternehmens Kröner-Stärke Herrmann Kröner GmbH, Ibbenbüren

Mit zunehmender Sorge haben wir bei Kröner-Stärke in den vergangenen Jahren die Entwicklung der Energiepreise beobachtet. Der Trend der Preise weist stetig nach oben. Darunter leiden alle Energieverbraucher. Noch viel entscheidender sind für uns aber die Preisschwankungen, die eine verlässliche Kostenkalkulation schon auf mittlere Sicht unmöglich machen. Dies aber ist für ein mittelständisches Familienunternehmen unverzichtbar, das aus Tradition eine Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für seine Mitarbeiter und deren Familien trägt.

Die Produktion von Stärke gehört zu den energieintensiven Verfahren. Für ein Kilo Stärke müssen ungefähr 0,8 Kilowattstunden Energie eingesetzt werden. Der gesamte Energiebedarf unseres Unternehmens liegt derzeit bei rund 70.000 Megawattstunden im Jahr. Die geplante Ausweitung unseres Geschäfts wird unseren Energiebedarf bis zum Jahr 2010 auf 100.000 Megawattstunden hinaufschrauben. Ohne Energie läuft nichts. Deshalb hat die garantierte Versorgungssicherheit neben den Kosten oberste Priorität.

Vor einigen Monaten sind wir vom Energieträger Gas auf Braunkohlenstaub umgestiegen und haben auf unserem Firmengelände ein eigenes Braunkohlenstaubkraftwerk in Betrieb genommen. Mit dem Brennstoff Gas waren wir vorher nicht unzufrieden. Dann aber hat uns die erstmalige Unterbrechung des Lieferstroms aus Russland im Winter 2005 die Augen für die Risiken der Versorgung mit Gas geöffnet und uns unsere große Abhängigkeit von Importen verdeutlicht. Damals konnten wir die Druckschwankungen bei uns am Manometer ablesen. Daraufhin haben wir beschlossen, den Energieträger zu wechseln.

Wir setzen neuerdings auf Braunkohlenstaub und damit auf den Rohstoff Braunkohle, weil dadurch – und nur dadurch – unsere beiden wichtigsten Ziele in der Energieversorgung, die Kalkulierbarkeit und die Versorgungssicherheit, bestmöglich erreicht werden. Braunkohle ist ein heimischer Energieträger, der einzige wirtschaftlich wettbewerbsfähige. Und er ist langfristig verfügbar. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat ausgerechnet, dass Braunkohle bei konstanter Förderung von derzeit rund 176 Millionen Tonnen im Jahr und auf Basis der aktuellen technologischen Mittel noch für mehrere Generationen reichen wird. Das ist auch für ein in langen Zeiträumen denkendes Familienunternehmen beruhigend.

Hinzu kommt der Kostenaspekt. Braunkohlenstaub ist preisstabil, das zeigen die vergangenen Jahrzehnte. Wir haben mit unserem Lieferanten die Preise für die nächsten zehn Jahre gesichert. Damit sind unsere Energiekosten auch in Zeiten globaler Energiekrisen langfristig kalkulierbar. Und einen schönen Nebeneffekt gibt es auch: Wir sparen etwa 20 Prozent unserer bisherigen Energiekosten. Das hilft uns im Wettbewerb.

Der fossile Energieträger Kohle ist durch die gegenwärtige Klimadebatte in die Kritik geraten, weil er bei der Verbrennung das klimaschädliche Gas Kohlendioxid freisetzt. Dieses Argument ist zunächst nicht von der Hand zu weisen. Wir bei Kröner-Stärke sind uns unserer Verantwortung für die Umwelt bewusst. Wir produzieren auf natürliche Weise. Wir sind die Nummer eins bei Bio-Weizenstärkeprodukten. Und wir haben uns absichtlich für ein Braunkohlenstaubkraftwerk entschieden. Unsere hochmoderne Anlage mit Kraft-Wärme-Kopplung erzielt durch den zusätzlichen Betrieb einer Gegendruckdampfturbine einen Nutzungsgrad von 90 Prozent.

Bevor wir uns für Braunkohle entschieden haben, haben wir auch andere Optionen geprüft. Aber kein anderer Brennstoff erfüllte unsere beiden zentralen Vorgaben: aus heimischer und damit sicherer Produktion zu kommen und überdies preislich kalkulierbar zu sein. Holz scheidet beispielsweise als Energieträger für unsere Stärkeproduktion aus. Er erfüllt zwar das erste Kriterium, nicht aber das zweite, was wir an den zuletzt enormen Preissteigerungen erkennen konnten. Auch benötigt der Brennstoff sehr viel Platz. Wegen seiner geringen Energiedichte hätten wir 3.000 Quadratmeter Lager zur Verfügung stellen müssen. Diesen Platz hatten wir einfach nicht. Steinkohle war auch keine Alternative, weil Steinkohlekraftwerke in unserer eher bescheidenen Größenordnung nicht wirtschaftlich betrieben werden können.

Bleibt also der Braunkohlenstaub. Er hat über die zentralen Energiefragen hinaus noch einen erfreulichen logistischen Vorteil: Lediglich ein Lkw pro Tag ist nötig, um unser Kraftwerk mit genügend Braunkohlenstaub zu versorgen, und die anliefernden Lkw nehmen die angefallene Asche gleich wieder mit.

Aktueller Expertenbeitrag

von Werner Sturbeck, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Düsseldorf

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