29.09.2010

Strom ist ein entscheidender Standort- und Wettbewerbsfaktor

Ein Beitrag von Dietmar Brockes, energiepolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion in NRW

Ziel der FDP ist es, dass Nordrhein-Westfalen auch in Zukunft Energie- und Industrieland Nummer 1 bleibt. Dabei ist der Strompreis längst zum entscheidenden Standort-faktor im globalen Wettbewerb geworden. Deutschland hat heute im internationalen Vergleich sehr hohe Preise für Industriestrom, und das in einer Zeit, in der Produktions-verlagerungen einfacher sind als je zuvor. Auf dem Weg in das regenerative Zeitalter brauchen wir daher einen ausgewogenen Energiemix, in dem Braunkohle, Steinkohle und Kernenergie ihren Platz haben. Braunkohle hat dabei als einziger wettbewerbsfähiger heimischer Energieträger eine wichtige Funktion im Energiemix zu erfüllen.

In Nordrhein-Westfalen gilt vor allem die Erneuerung des Kraftwerkparks als eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Ziele Wirtschaftlichkeit, Versorgungs-sicherheit und Umweltverträglichkeit miteinander in Einklang zu bringen und der Verschärfung des Emissionshandels sowie den Verpflichtungen zur Senkung des CO2-Ausstoßes Rechnung zu tragen. Die Hälfte der Kraftwerke in NRW ist älter als 31 Jahre. 20 Prozent sind sogar älter als 40 Jahre. Diese alten Anlagen haben ihre technische Lebensdauer erreicht oder sogar überschritten und müssen deshalb dringend ersetzt werden. Das Ziel dieser Kraftwerkserneuerung ist es, die Umweltbilanz zu verbessern und das Land mit dem effizientesten und saubersten Kraftwerkspark weltweit zu werden. 83 Prozent des NRW-Stroms stammen aus Kohlekraftwerken. Trotz verlängerter Laufzeiten für die Kernkraftwerke ist ein Ausstieg aus der Kohleverstromung in der näheren Zukunft nicht realistisch: Die Bundesregierung strebt bis zum Jahr 2020 einem Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Höhe von rund 30 Prozent. Das heißt im Umkehr-schluss, dass immer noch 70 Prozent aus konventionellen Quellen erzeugt werden müssen. Dies wird in der Debatte gerne unter den Tisch gekehrt. Wir wollen aber, dass diese 70 Prozent durch die saubersten, wirtschaftlichsten und modernsten Kraftwerke gedeckt werden können.

Dabei wird zu oft verkannt, dass sich erneuerbare Energien und konventionelle Kraftwerke sehr gut kombinieren lassen. Die stark von den Witterungsbedingun-gen abhängige Produktion von Strom aus Wind und Sonne erfordert vor allem eine zunehmende Flexibilität der konventionellen Kraftwerke. Somit werden sich – bei weiterem starkem Ausbau von erneuerbaren Energien – die Anforderungen an konventionelle Kraftwerke technisch wie auch wirtschaftlich verändern. Durch den gesetzlich garantierten Vorrang gibt es keine Verdrängung von regenerativem Strom durch konventionelle Kraftwerke.

Diese Veränderungen unserer Energieversorgungsstruktur, die die nächsten Jahre sehr stark prägen werden, müssen aber auch den Anforderungen einer modernen Industrienation wie Deutschland gerecht werden. Nicht nur die Verbraucher sind auf bezahlbare Energie angewiesen, sondern auch die Industrie braucht einen günstigen Strompreis, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Der aktuelle deutsche Preis für Industriestrom ist im internationalen Vergleich bereits heute sehr hoch. Darüber hinaus ist es für eine moderne Industrie besonders wichtig, dass wir eine sichere und stetige Versorgung mit Strom sicherstellen. Stromausfälle bedeuten Produktionsausfälle. Gerade in der chemischen Industrie können durch Stromausfall verursachte Schäden in die Millionen gehen, da ganze Chargen von Medikamenten oder Produkten unbrauchbar werden können. Deshalb braucht es eine Sicherung der Grundlast, die im Augenblick mangels Speichertechniken für Strom aus Wind- und Solaranlagen noch nicht geleistet werden kann.

Aufgrund der enormen Belastung der Netze durch den schwankenden Strom, den Wind- und Sonnenenergie verursachen, werden in den nächsten Jahren beträchtliche Investitionen in den Ausbau der Übertragungsnetze notwendig werden, damit diese an die wachsende Zahl von Windrädern in Norddeutschland angepasst werden. Um diese enormen Kosten für den nötigen Umbau unserer Energieversorgung auf dem Weg ins regenerative Zeitalter schultern zu können, müssen die Unternehmen in der Lage sein, diese Investitionen leisten zu können.

Deshalb gilt es, mit Vernunft und Augenmaß in die Zukunft zu gehen und das Notwendige auf den Weg zu bringen. Kohlekraftwerke und die Kernenergie werden deshalb mittelfristig weiterhin Grundpfeiler der Energieversorgung bilden müssen bis der vollständige Umbau der Energieversorgung wirtschaftlich und auch sozial vertretbar ist.

Aktueller Expertenbeitrag

von Werner Sturbeck, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Düsseldorf

Seit Jahren erweitert Deutschland den regenerativen Anteil an der Stromerzeugung.  mehr >>

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