03.08.2010

Braunkohlenkraftwerke – Spiegelbild für die energieintensiven Industrien

Ein Beitrag von Thomas Mock, Director Public Affairs – Hydro Aluminium Deutschland GmbH

Die Bedeutung der Braunkohle steht in Deutschland auf drei Säulen:

  • Braunkohlenkraftwerke sind das Spiegelbild Strom intensiv und höchsteffizient nutzende Industrien.
  • Die Braunkohlenindustrie liefert Spitzentechnologie in Sachen Effizienz und Klimaschutz.
  • Dem Braunkohlenabbau folgt eine weltweit einmalige Renaturierung.

Alle drei Säulen verlieren in Politik und Öffentlichkeit an Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Das macht uns große Sorgen in Bezug auf die Sicherheit der Energieversorgung, der Arbeitsplätze und den Klimaschutz.

Braunkohlenkraftwerke und energieintensive Branchen leben auch in Zeiten liberalisierter Strommärkte und regulierter Netze in einer wechselseitigen Symbiose und bewährten Partnerschaft. Es ist unverändert sinnvoll, wenn Aluminiumhütten, Walzwerke, Chemiestandorte, Papier- oder Glasfabriken in der Nähe von Kraftwerken stehen, die ihrerseits preisgünstigen und versorgungssicheren Grundlaststrom produzieren.

Energiemix ist nicht nur ein Schlagwort. Erneuerbare Energien können heute und auch morgen den für die wichtigen Grundstoffindustrien notwendigen Grundlaststrom nicht zu vertretbaren Kosten produzieren. Andererseits ist Grundlaststrom Basis vieler energieintensiver Industrien im Besonderen und im Allgemeinen auch große Teile der deutschen Volkswirtschaft. Was ist effizienter, als ein Kraftwerk in unmittelbarer Nähe zu einem Industriestandort zu betreiben? Da für den Technologiestandort Deutschland Industrie unverzichtbar ist, bleiben Braunkohlenkraftwerke in Deutschland ein zuverlässiger wirtschaftlicher und effizienter Teil des Energiemix.

Braunkohle ist unser wichtigster heimischer Energieträger und stellt mit Kraftwerken und Veredlungsbetrieben in unmittelbarer Nachbarschaft der Tagebaue eine geschlossene Wertschöpfungskette mit vielen volkswirtschaftlichen Vorteilen dar. Was für Norwegen und Russland das Gas und für Saudi-Arabien das Öl ist, ist für Deutschland und seine Energiesicherheit die Braunkohle. Mit einer Gesamtkraftwerkskapazität von über 20.000 Megawatt deckt die Braunkohle ein Viertel des deutschen Strombedarfs. 28.000 Megawatt Windstrom-Leistung deckten dagegen 2009 nur rund 6 Prozent des Bedarfs. Und diese Energie steht nur dann zur Verfügung, wenn es der Wind will und nicht, wenn der Verbraucher den Strom braucht.

Die industriellen Großkunden sorgen für eine optimale ökonomische und ökologische Verlängerung der Wertschöpfungskette, die mit der Gewinnung der heimischen Braunkohle beginnt. Bei der Aluminiumerzeugung wird die Energie mit hohen Umwandlungsgraden im Metall gespeichert und es entstehen Halbzeuge und Endprodukte für viele Zukunftsmärkte. Beim späteren Recycling kann diese umgewandelte Energie stets wieder abgerufen und das Aluminium mit nur 5 Prozent des ursprünglichen Energieaufwands für neue Anwendungen nutzbar gemacht werden. Dazu tragen gerade Braunkohlekraftwerke bei. So sorgen Energie, Metall und Technologie gemeinsam sowohl für eine hohe Effizienz wie auch für wirtschaftliche Leistung und Beschäftigung in Deutschland.

Kein Energieträger sollte heute die berechtigten Forderungen in Bezug auf Umwelt und Klima ignorieren. Das gilt auch für die Braunkohle. Braunkohle ist von Natur aus kohlenstoffreich und die Gewinnung ist nur wirtschaftlich, wenn sie in Großtagebauen erfolgt. Die Braunkohlenindustrie stellt sich dieser Verantwortung. Die Rekultivierung ehemaliger Abbaufelder ist seit vielen Jahrzehnten selbstverständlicher Bestandteil der bergbaulichen Planung und folgt der Gewinnung quasi auf dem Fuße. Im Rheinland hat die zwischenzeitliche Konzentration auf drei Tagebaue zu einer drastischen Verringerung des Flächenverbrauchs geführt. Zahlreiche Altflächen sind heute wieder Bestandteil der natürlichen Umwelt und haben sich wie die Brühler Seen sogar den Titel Naturpark sichern können. Die aus diesen Erfahrungen resultierende Beseitigung der Folgelasten des früheren DDR-Bergbaus stellt die meiner Meinung nach beeindruckendste ökologische Leistung in den neuen Bundesländern dar.

Bleibt die Frage, ob die Braunkohle das CO2-Problem in den Griff bekommt. Die technisch erstaunliche Steigerung der Kraftwerkseffizienz auf heute nahezu 45 Prozent konnte die Widerstände und Vorbehalte vieler Menschen gegen die Braunkohle bisher leider nur unzureichend abbauen. Dass moderne Kraftwerke heute ein Drittel weniger CO2 ausstoßen als ihre Vorgänger, scheint entweder wenig bekannt, technisch nicht angemessen gewürdigt oder nicht genug verstanden zu werden.

Mit der Abscheidung und der sicheren Speicherung des Kohlendioxids in tiefen geologischen Formationen (engl. Cabon Capture and Storage – CCS) öffnet sich jetzt ein neues Technologiefenster für die Braunkohle und ihre Verstromung. Die ersten Pilotanlagen scheinen zu zeigen, dass der CO2-Ausstoß von Braunkohlekraftwerken um bis zu 95 Prozent reduziert werden kann. Jetzt müssen Demonstrationsanlagen die großtechnische Eignung und Wirtschaftlichkeit der Verfahren beweisen. Außerdem ist eine gesetzlich verankerte Infrastruktur für den Transport und die Speicherung des Kohlendioxids von Nöten. Wenn die Braunkohle diese Herausforderungen aktiv annimmt, kann sie auch in den nächsten Jahrzehnten ihren aus Sicht der Industrie berechtigten und unverzichtbaren Platz in der Stromerzeugung festigen. Die weltweit drängenden Klimafragen scheinen nur mit CCS lösbar zu sein.

Aktueller Expertenbeitrag

von Werner Sturbeck, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Düsseldorf

Seit Jahren erweitert Deutschland den regenerativen Anteil an der Stromerzeugung.  mehr >>

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