13.11.2009

Pluspunkte für die Volkswirtschaft

Ein Beitrag von Michael Hegel, Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaA, Managing Director und Leiter des Teams Energy/Public Sector

Deutschland hält sich bislang viel auf seinen breiten Mix der Energieträger in der Stromerzeugung zugute. Mit einem Anteil von derzeit rund einem Viertel leistet die Braunkohle dabei noch vor der Kernenergie den größten Beitrag. Als heimischer Energieträger deckt die Braunkohle die Stromerzeugung in der Grundlast und hilft, die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern. Braunkohlestrom ist zudem wettbewerbsfähig und sichert damit die Investitionsfähigkeit der Kraftwerkseigentümer ab. Zum anderen leistet der Braunkohlestrom einen Beitrag zur Standortsicherung für energieintensive industrielle Verbraucher. Der nicht von Subventionen abhängige „Wirtschaftszweig Braunkohle“ war bislang ein Garant für Beschäftigung auch in strukturschwachen Regionen Deutschlands.

Diese volkswirtschaftlichen Vorteile werden in der Bevölkerung aber verkannt. Vielmehr wächst allerorten der Widerstand gegen die Kohle, weil der Brennstoff wegen seines hohen CO2-Ausstoßes für die weltweiten Klimaveränderungen mitverantwortlich gemacht wird. Das ist naturgemäß den drei Braunkohleunternehmen (RWE, Vattenfall und MIBRAG) nicht verborgen geblieben. Sie mussten reagieren und sie haben reagiert.

Die Braunkohle hat im Vergleich zu den anderen fossilen Brennstoffen Öl, Steinkohle und Gas – natürlich auch vereinigungsbedingt, durch den Niedergang der Industrie im Osten – den höchsten Minderungsbeitrag zur Erreichung des deutschen Klimaziels seit 1990 realisiert. Verbessert hat die Umweltbilanz aber vor allem ein Technologiesprung bei neuen Kraftwerken. Effizienzsteigerungen durch die bessere Nutzung des Rohstoffs Braunkohle verbesserten den Wirkungsgrad der Anlagen auf mehr als 40 Prozent, so dass bei der Verbrennung von Braunkohle mehr Strom erzeugt und weniger CO2 emittiert wird. Diese Leistung wird international anerkannt, was die Kraftwerksbauer in die Lage versetzt, diese Technologie auch international zu vermarkten.

Dies ist jedoch noch nicht genug. Deutsche Kohlekraftwerke müssen noch sauberer werden. Die Technik der CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) bietet den Ansatz für einen neuerlichen Technologiesprung, der den CO2-Ausstoß noch einmal drastisch senken wird. Begrüßenswert ist, dass die Braunkohleunternehmen hier unterschiedliche technologische Ansätze verfolgen. So können sich mehrere CCS-Verfahren dem Wettbewerb stellen.

All dies zeigt, dass die Braunkohle ein Rohstoff ist, der mit seinem Potenzial für eine Verbesserung der Klimabilanz erhebliche Investitionen auslöst. Allein der Bau des RWE-Kraftwerks Neurath induziert Investitionen von 2,2 Milliarden Euro. Nehmen wir noch den Bau der CCS-Pilotanlage mit 30 Megawatt durch Vattenfall in Spremberg. Er kostet zwar „nur“ 40 Millionen Euro. Als Folge ist aber ebenso wie im Rheinland der Bau einer Großanlage geplant, der – verbunden mit den nötigen Investitionen für Transport und Speicherung des CO2 – ungleich höhere Investitionen auslösen wird. Welche Impulse der Arbeitsmarkt durch Bau und Betrieb neuer Kraftwerke bekommt, belegt eine Studie des EEFA-Instituts in Münster. Danach sorgen die derzeit allein in Nordrhein-Westfalen gebauten fünf Braun- und Steinkohlekraftwerke für mehr als 18.000 Stellen. In der Spitze, die in diesem Jahr erreicht werden wird, sind sogar fast 37.000 Mitarbeiter auf den Baustellen oder bei Zulieferfirmen mit dem Erstellen von Vorleistungen beschäftigt. Für die Braunkohle bedeutet dies außerdem, dass Tagebaue und die damit verbundenen Wertschöpfungen für die Regionen gesichert werden.

Braunkohlekraftwerke sind „Langläufer“. Sie sichern direkt die Beschäftigung von mehr als 22.000 Mitarbeitern dauerhaft und verhelfen insgesamt – die indirekte Beschäftigungswirkung eingerechnet – rund 50.000 Menschen zu einem Arbeitsplatz. Gleichzeitig ist die Braunkohle mit ihrer zweifelsfrei schwierigen CO2-Bilanz Innovationstreiber bei den Kraftwerksherstellern und -betreibern. Sie ist weder Preisrisiken durch Wechselkurse noch einer Ölpreisbindung ausgesetzt. Und die heimischen Ressourcen reichen weit in die Zukunft – alles Pluspunkte für die Volkswirtschaft.

Aktueller Expertenbeitrag

von Werner Sturbeck, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Düsseldorf

Seit Jahren erweitert Deutschland den regenerativen Anteil an der Stromerzeugung.  mehr >>

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