26.08.2009

Die Industrie braucht eine sichere Energieversorgung

Ein Beitrag von Harald Schartau, Geschäftsführer Personal sowie Arbeitsdirektor der Georgsmarienhütte und von 2000 bis 2005 Minister des Landes Nordrhein-Westfalen

Die Georgsmarienhütte zählt zu den führenden europäischen Anbietern von Stabstahl, Halbzeug und Blankstahl. Die Gruppe hat sich auf die Produktion in modernen Elektrolichtbogenöfen spezialisiert und benötigt für den Betrieb dieser Öfen und der Sekundärmetallurgie eine sichere Stromversorgung. Sicher und zu akzeptablen Preisen. Nur so haben wir die Chance, uns mit unseren anspruchsvollen Produkten für die Automobilindustrie, den Maschinenbau oder sonstige Bereiche der Investitionsgüterindustrie auf globalen Absatzmärkten erfolgreich zu behaupten.

Deutschland ist ein Industrieland. Und was für die Georgsmarienhütte gilt, ist für zahlreiche Unternehmen in Schlüsselbranchen von existenzieller Bedeutung. Die deutsche Wirtschaft ist in hohem Maße auf Energieeinfuhren angewiesen. Umso wichtiger ist es, sich der heimischen Energie zu besinnen. Das sind vor allem Stein- und Braunkohle, in gewissem Umfang aber auch Erdgas. Regenerative Energien gewinnen an Bedeutung und sollen entsprechend ihren Möglichkeiten in der Mittellast eingesetzt werden. Die Basis für eine sichere Stromversorgung rund um die Uhr können Wind, Wasser, Sonne und andere regenerative Energieträger bei aller Euphorie und trotz ihres zügigen Ausbaus aber nicht bieten. Noch lange nicht. Mindestens für eine Kraftwerksgeneration von 30 bis 40 Jahren ist Deutschland noch auf Kohle angewiesen.

Deshalb habe ich mich in den zurückliegenden Jahren für den Erhalt eines Sockels deutscher Steinkohle im Energiemix eingesetzt. 2012 müssen die Weichen richtig gestellt werden, um wenigstens einige unserer leistungsfähigen Zechen am Leben zu erhalten. Das kostet Geld des Steuerzahlers. Aber das ist im Sinne der Energiesicherheit und zur Verteidigung unserer führenden Stellung und unseres Know-hows in der Bergbautechnik gut angelegt.

Über die Steinkohle hinaus kann die Bedeutung der Braunkohle nicht hoch genug eingeschätzt werden. Schließlich ist sie in ausreichenden Mengen verfügbar und wird dank modernster Technik zu wettbewerbsfähigen Bedingungen gewonnen. Der Diskussion um die Klimawirkungen des Brennstoffs haben wir uns zu stellen, aber wir dürfen uns nicht irremachen lassen. Immer schon galt es in Deutschland, die Industrieproduktion mit dem notwendigen Schutz der Umwelt in Einklang zu bringen. Und immer wieder haben unsere Ingenieure Wege aus dieser vermeintlichen Sackgasse gewiesen.

Die Industrie ist vor dem Hintergrund des CO2-Handelssystems der EU schon aufgrund eigener Interessen daran interessiert, fortschrittliche Technik einzusetzen, um hohen CO2-Kosten zu entgehen. Es wird daher fieberhaft an Kraftwerken mit höheren Wirkungsgraden und geringeren CO2-Emissionen sowie an der CCS-Technik zur Abscheidung und Speicherung von CO2 gearbeitet. Was bringt es denn, moderne Kohlekraftwerke hierzulande zu verhindern, wenn andernorts immer mehr dieser Kraftwerke gebaut werden – allerdings mit vermutlich niedrigeren Wirkungsgraden? Das hilft dem Klima überhaupt nicht. CO2 kennt keine Grenzen.

Aus meiner Sicht gilt es, unseren Vorsprung in der Umwelttechnik zu nutzen, um die effizientesten Kraftwerke zu bauen und zu betreiben und diese Standards weltweit voranzutreiben. Das kommt dem Industriestandort Deutschland zugute, schafft Wachstum, sichert Arbeitsplätze – und nutzt dem Klima.

Aktueller Expertenbeitrag

von Werner Sturbeck, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Düsseldorf

Seit Jahren erweitert Deutschland den regenerativen Anteil an der Stromerzeugung.  mehr >>

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