04.08.2009

Energiemix auch zukünftig unverzichtbar

Ein Beitrag von Dr. Hubertus Bardt, Leiter der Forschungsstelle Ökonomie/Ökologie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW)

Die Energieversorgung unterliegt einem stetigen Wandel. Im Laufe der Jahrhunderte wurden immer neue Energiequellen erschlossen. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse, technische Möglichkeiten und wirtschaftliche Potenziale haben das Angebot der Energieformen verbreitert. Sich ändernde Anforderungen an die Energiequellen, sich wandelnde Nachfragestrukturen und Zahlungsbereitschaften waren schließlich entscheidend dafür, auf welche Quellen aus diesem breiten Angebot zurückgegriffen wurde. Trotz zahlreicher Neuerungen ist keine Energiequelle endgültig verschwunden, wenn es auch in einzelnen Fällen klare Bedeutungsverluste gab.

  • Holz war über Jahrhunderte hinweg entscheidend für die Energieversorgung, geriet dann aber ins Abseits und wurde nur noch wegen der besonderen Atmosphäre des Kaminfeuers genutzt. In jüngster Zeit hat Holz als Energieträger ein Comeback erfahren: Zahlreiche Haushalte nutzen den Brennstoff in Form von Pellets für die Hausheizung.

  • Kohle spielte die entscheidende Rolle für die Industrialisierung. Ohne die Verwendung dieses fossilen Energieträgers wäre die wirtschaftliche Entwicklung der letzten 150 Jahre undenkbar gewesen. Auch Privathaushalte nutzten die Kohle zum Heizen. Während der Kohlentransporter aus den Städten mittlerweile wieder verschwunden ist, leistet die Kohle aber weiterhin einen entscheidenden Beitrag zur sicheren und preisgünstigen Stromversorgung und ist unverzichtbar für die Eisen- und Stahlerzeugung.

  • Öl ist in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum entscheidenden Rohstoff für das Transportwesen geworden und hat in seiner Bedeutung seitdem kaum abgenommen.

  • Die Kernkraft erlebte ihren ersten Boom nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der ersten Ölkrise. Sie gab Hoffnung auf sicheren und billigen Strom. Die Angst vor schweren Unfällen und Risiken der langfristigen Lagerung der Abfälle führten letztlich in Deutschland zum Atomausstiegsbeschluss. International kann von einem Ausstiegstrend aber keine Rede sein. Das Ziel des Klimaschutzes gibt dem Strom aus Kernenergie zusätzliche Argumente.

  • Erneuerbare Energien sind eine große Hoffnung für die Zukunft. Sie sollen eine umweltfreundliche Energieversorgung gewährleisten und – zusammen mit einer höheren Energieeffizienz – eine größere Unabhängigkeit von Energieimporten schaffen. Dabei gibt es jedoch eine Reihe von Problemen: Oftmals liegen die Kosten weit über dem Preisniveau konventioneller Energiegewinnung, bei einzelnen Alternativen sind ökologische Fragen ebenso ungeklärt wie die Sicherheit der Versorgung.

Der Energiemarkt wird sich weiter wandeln. Perspektivisch betrachtet, werden erneuerbare Quellen höhere Marktanteile bekommen. Öl dürfte auf absehbare Zeit die entscheidende Energiequelle für den Straßenverkehr bleiben. Welchen Beitrag die Kernenergie in Zukunft spielen wird, hängt im Wesentlichen von politischen und gesellschaftlichen Vorgaben ab.

Was aber bedeutet dies für die Zukunft der Kohle? Kein wesentlicher Energieträger ist bisher wieder aus der Nutzung verschwunden. Das wird auch für die Kohle gelten, soweit andere Quellen nicht deutlich billiger werden. Dass beispielsweise China vollständig auf den Abbau und die Nutzung seiner riesigen Kohlevorräte verzichten und die für das hohe Wirtschaftswachstum benötigte Energie anders erzeugen wird, erscheint unmöglich.

Für Deutschland sieht die Situation ein Stück weit anders aus. Kohle liefert uns eine zuverlässige und preisgünstige Stromversorgung und ist insbesondere für die Grundlast von großer Bedeutung. Hinzu kommt, dass die Braunkohle die einzige nennenswerte heimische fossile Energiequelle ist, die sich wirtschaftlich rechnet. Das große Fragezeichen, das Kritiker derzeit hinter die Kohleverstromung machen, erwächst aus den Treibhausgasemissionen, die bei der Verbrennung entstehen. Dies kann über verschiedene Wege kritisch für den Energieträger Kohle werden: Zum einen können Emissionszertifikate für Kohlendioxid die Kosten der Kohleverstromung weiter in die Höhe treiben. Zum anderen kann die gesellschaftliche Akzeptanz in Bezug auf Bau und Betrieb von Kohlekraftwerken weiter schwinden.

Die Reduktion der Treibhausgase stellt für die Kohle eine große Herausforderung dar. Hier muss die Energiewirtschaft schnell eine Antwort finden. Ansonsten wird der Energieträger in Deutschland kaum eine Zukunft haben. Große Chancen liegen in der CCS-Technologie, der Abtrennung und unterirdischen Lagerung von Kohlendioxid. Vieles spricht dafür, dass mit CCS die ökonomischen und ökologischen Voraussetzungen für eine weitere Nutzung des heimischen Energieträgers Braunkohle geschaffen werden können. Allerdings muss noch viel getan werden, um Akzeptanz in der Bevölkerung zu gewinnen. Der Hinweis auf eine sichere Technik allein reicht nicht aus.

Aktueller Expertenbeitrag

von Werner Sturbeck, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Düsseldorf

Seit Jahren erweitert Deutschland den regenerativen Anteil an der Stromerzeugung.  mehr >>

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