22.06.2009

Vielfalt im Energiemix erhalten

Ein Beitrag von Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen

Versorgungssicherheit, Energiepreisexplosion, Energiemix, Kernenergie und alternative Energien, Umwelt- und Klimaschutz – die Begriffe stehen beispielhaft für eine hochkomplexe und hochpolitische Diskussion, die in den vergangenen Jahren stark an Aktualität gewonnen hat. Keine Frage: Die Zukunft der Energieversorgung ist ein elementares Anliegen der gesamten Gesellschaft.

Für die Unternehmen speziell im Industrieland Nordrhein-Westfalen ist eine sichere Energieversorgung auch in Zukunft ebenso entscheidend wie bezahlbare Energiepreise. Deswegen sind die Unternehmen an einer Politik interessiert, die für Verlässlichkeit und Kontinuität der Rahmenbedingungen steht. Ideologien lähmen die Innovations- und Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Deshalb brauchen wir eine offene energiepolitische Debatte.

Deutschland ist zunehmend abhängig von Energieimporten. So stammen zum Beispiel 82 Prozent des Erdgases aus dem Ausland. Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern wächst. Welche Auswirkungen das haben kann, haben die Konflikte zwischen der Ukraine und Russland deutlich gemacht. Nordrhein-Westfalen hat dem etwas entgegenzusetzen. Es verfügt wie kein anderes Bundesland über große eigene Energiequellen. Das sind Braun- und Steinkohle. In zunehmendem Maße stehen aber auch regenerative Energien aus Wind, Wasser und Sonne sowie Biomasse/Biogas bereit. Die konsequente Nutzung heimischer Energieträger stärkt die Unabhängigkeit von Energieimporten. Deshalb müssen alle Optionen auf heimische Energieträger gesichert werden. In Nordrhein-Westfalen hat die Braunkohle einen Anteil von 43 Prozent an der Stromerzeugung. Braunkohlekraftwerke sind für die Stromerzeugung zurzeit und auch künftig unerlässlich. Ein Verzicht auf Braunkohleverstromung würde unweigerlich zu einem erhöhten Gasimport führen, was die Abhängigkeit von den Lieferländern weiter erhöhte.

Es gilt zu bedenken: Nicht die einseitige Förderung politisch erwünschter Energien führt zu einer nachhaltigen Versorgungsstruktur, sondern ein ausgewogener Energiemix. Vor allem bei der Erzeugung von Grundlaststrom sind wir nach wie vor auf Kraftwerke angewiesen, die auf Kohle und Kernkraft basieren. Dies muss auch bei zusätzlichen Wirkungsgradverbesserungen und der CO2-Minderung berücksichtigt werden. Damit die Braunkohleverstromung mit den klimapolitischen Zielen vereinbar sein kann, ist es notwendig, neue Kraftwerke mit höherem Wirkungsgrad zu bauen und in die Carbon-Capture-and-Storage-Technologie zu investieren.

Die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen formulieren Antworten der Wirtschaft auf die offenen Fragen einer Energiepolitik, die den Zielen Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit gleichermaßen verpflichtet ist. In einem ergebnisoffenen energiepolitischen Dialog wurden in Zusammenarbeit mit dem Bremer Energie Instituts (BEI) und des Forschungszentrums Jülich (FZJ) in insgesamt sechs Workshops die Energiepolitischen Positionen 2009 erarbeitet. Besondere Beachtung wurde dabei auf die Themen Weltmärkte und Versorgungssicherheit, Wettbewerb und Energiemarkt, Energie- und Klimapolitik, Energiemix, Forschung und Entwicklung sowie Energieeffizienz gelegt. Mit den Energiepolitischen Positionen wollen die Industrie- und Handelskammern in NRW einen fachkundigen Beitrag zur aktuellen energie- und klimapolitischen Debatte leisten und zugleich die begründeten Interessen der Unternehmerschaft offenlegen.